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Das Militär hat’s schwer mit der Physik und der Erdkrümmung

Radar Auenhausen

Die gerade Linie vom Radar Auenhausen (links, x-Achse: bei km 0) über den Eggekamm (Mitte, x-Achse bei km 16,174) zeigt, dass der Richtfunk die Nabe des Windrads (rechts, x-Achse bei km 24,3) klar verfehlt

Die Erde ist eine Scheibe.

Das glauben nicht mehr viele Menschen, aber einige haben doch überlebt. Etwa die Männer in der Wehrbereichsverwaltung West in Düsseldorf. Sie kümmern sich intensiv darum, dass ihr Flugradar nicht durch bauliche Hindernisse wie Türme oder Windkraftmasten gestört wird.

Bei dieser Arbeit setzen sich manche Wehrleute auch schon mal über physikalische Gesetzmäßigkeiten hinweg. Immer dann, wenn sie den Wirkungsbereich des Radars beschreiben und zu hohe Masten oder drehende Rotoren beanstanden.

Ein irres Beispiel ist tatsächlich wahr. Zwischen (A) dem Radar Auenhausen (330 Meter Sichttiefe) und (C) einer Windenergieanlage in Neuenbeken (415 Meter Nabenhöhe), die auf ihr Repowering wartet, liegt auch noch (B) das Eggegebirge mit Kamm und Paulusquelle. Der Kamm ist zu finden in 395 Metern Höhe. Nun wird genau dieser gebirgige Höhepunkt als obere Grenze für die WEA angelegt, Nabe bis 395 Meter und keinen Zentimeter höher.

Klingt logisch, oder?

Achtung: Abknickender Richtfunk!

Nun ja. Nur dann, wenn man glaubt, der Radarfunk steige allein bis zum (B) Gipfel des Eggekammes linear an und knicke dann, an der 16-Kilometer-Entfernungsmarke, genau auf der Kammhöhe horizontal Richtung (C) WEA ab. Das Windrad steht allerdings noch einmal acht Kilometer vom Eggekamm entfernt.

Physikalisch und mathematisch korrekt allerdings reicht der Richtfunk natürlich auf gerader (nicht abknickender) Linie weiter über das Eggegebirge hinaus und kommt somit acht Kilometer weiter am Standort der WEA erst in 427 Metern Höhe an. Dort, zwölf Meter über der Nabe, ist kein Mast mehr. Behauptet wird von der Wehrverwaltung trotzdem, dass die WEA „20 Meter in die Radarsicht hinein“ rage.

Der grobe Unsinn der Wehrbereichsverwaltung West hat ein Ende

Ein weiteres Phänomen wird völlig außer Acht gelassen: die Erdkrümmung. Auf einer Strecke von 24 Kilometern beschreibt die Erdoberfläche einen merklichen Bogen. Das beeinflusst natürlich zusätzlich das Verhältnis von Radar zu Windenergieanlage. Einfach gesagt: Sie stehen nicht auf einer Geraden, die Erdbiegung muss bei der Berechnung des Funkradars mitberechnet werden.

Sagen Sie das mal dem Experten von der Wehrbereichsverwaltung West. Aber tun Sie das sachte. Denn der Mann muss gerade verdauen, dass sein Einwand gegen die Windenergieanlage grober Unfug war. Die Windmühle stört den Richtfunk nicht, darf dort stehen und ist entsprechend genehmigt worden…