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In Höxter gilt: Kein Windrad ist gefährlicher als ein Windrad!

Bislang werden Windräder gerne verdächtigt, im Ergebnis schädlicher für Tierwelt und Natur zu sein als etwa gefräßige Braunkohlebagger. Schädlicher auch als die Luftverschmutzung und die Klimaveränderung, die das Verbrennen fossiler Energieträger bewirkt. Nun kommt noch ein neuer Vorwurf hinzu, der allen Absurditäten die Krone aufsetzt.

Der Vorwurf lautet: Selbst kein Windrad stellt eine potenzielle Gefahr für geschützte Arten dar!

Anders ist die Abteilung Umweltschutz und Abfallwirtschaft der Kreisverwaltung Höxter (Ostwestfalen) kaum zu verstehen. Einer ihrer Mitarbeiter beharrt Ende November 2013 allen Ernstes auf einer Artenschutz-Prüfung in der Gemarkung Bosseborn der Stadt Höxter. Interessanterweise beabsichtigt niemand dort eine Windenergieanlage, der eine artenschutzfachliche Unbedenklichkeit bescheinigt werden müsste, zu errichten.

Im Gegenteil: Eine kleine betagte Windmühle vom Typ Tacke (60 Kilowatt Leistung) soll abgebaut werden. Ihren Platz also frei machen. Ersetzt wird sie im Rahmen einer Repoweringmaßnahme woanders, im Kreis Paderborn, außerhalb der Zuständigkeit Höxters.

Behördenmensch will Sicherheitsrisiken für Tierarten beim Abbau ausschließen

Das hat der Verwaltungsmensch durchaus verstanden, und dennoch: Für seine Beurteilung seien „jedoch Angaben zur Abwicklung/Zeitpunkt der geplanten Maßnahme erforderlich“. Seine Sorge gilt der „Betroffenheit von geschützten Arten“. Aufschluss über „Vermeidungsmaßnahmen (z.B. Eingrenzung des zulässigen Bauzeitfensters)“ oder über die „Dauer der Krannutzung“ solle doch bitte das Ausfüllen von „Formular A – VV Artenschutz vom 15.09.2010“ erbringen. Wenn die Unterlagen zum Antrag auf Abbau der Windenergieanlage so „entsprechend ergänzt“ seien, möge die Stadt den Kreis Höxter in der Sache erneut im Genehmigungsverfahren beteiligen.

Kurzer Ausflug in die Wirklichkeit: Der Abbau der Windmühle erfolgt in wenigen Stunden. Für den Einsatz ist ein vergleichsweise kleiner Autokran einzusetzen, der die demontierten Teile auf einen Lastwagen verlädt. Im Anschluss werden wenige Kubikmeter Betonfundament aus der Erde geholt und abtransportiert. Das ist alles.

Das alles mag vielleicht nicht ganz lautlos vonstatten gehen. Tja, nun. Ob aber jetzt eine Grundlagenforschung nötig ist, um das bei der Demontage vermeintlich entstehende Tötungsrisiko für Gott und die Welt zu ermitteln – das schreit zum Himmel.

Eigenartiges Signal an die Windkraftgegner

Noch eine Frage an die Behörde. Nur mal angenommen, das flitzeflinke Abmontieren der Windmühle birgt tatsächlich höchste Gefahren. Müsste dieses Teufelswerkzeug im Umkehrschluss dann nicht vorsichtshalber bis ans Ende seiner Haltbarkeit die Rotorblätter in den Wind drehen?

Das verspricht mal eine lebhafte Diskussion zu werden, wenn die Untere Landschaftsbehörde Höxters den Windkraftgegnern erklärt, dass eine Windmühle stehen bleiben muss, um das Optimum an Artenschutz zu erreichen…