Strompreis-Story: Die FAZ verirrt sich im 1000-Euro-Haushalt

Der Strompreis muss immer wieder herhalten auch für mediale Angriffe auf die Energiewende. So eröffnete die Frankfurter Allgemeine Zeitung das Jahr 2014 gleich mit einem Bericht und Kommentar zur Höhe der EEG-Umlage im Jahr 2013.

So läuft die Argumentation: Man nehme die Gesamthöhe der EEG-Umlage eines Jahres und teile sie durch die Anzahl der Bundesbürger. So erhalte ich eine plakative Summe beispielsweise für einen Vier-Personen-Haushalt, der die Energiewende mitfinanziert. Die FAZ kommt für 2013 auf 960 Euro, pro Kopf also 240 Euro. Im Kommentar spricht Redakteur Andreas Mihm dann Tacheles und von einer zwangsweisen Beteiligung der Musterfamilie mit 1000 Euro am Ausbau der Ökoenergie.

1000 Euro und Zwang sind also die Zutaten für den wenig schmackhaften News-Cocktail. Garniert wird er mit dem verbreiteten Credo der Klimawandel-Skeptiker, dass mit dem Geld eine in ihrem Nutzen fragliche Umweltpolitik gefördert werde.

Arme Stromverbraucher? Die Rechnung der FAZ ist so einfach und billig wie falsch.

Die EEG-Umlage errechnet sich – kurz gesagt – aus erzeugten Kilowattstunden mal festgesetztem Preis je Energietechnik. Da nicht nur Privathaushalte Strom verbrauchen, sondern auch Unternehmen und andere Einrichtungen, wird die Umlage natürlich nicht vollständig aus privaten Portmonees bezahlt. Seriöse Rechnungen gehen von einem mittleren Stromverbrauch eines vierköpfigen Haushalts von rund 4500 Kilowattstunden (kWh) aus. Für diese Menge wurde 2013 eine EEG-Umlage von 5,277 Cent je kWh fällig. Dies ergibt insgesamt etwas weniger als 240 Euro im Jahr für die Musterfamilie.

Richtig rechnen ergibt leider keine Schlagzeile

240 Euro gesamt im Vier-Personen-Haushalt für die EEG-Umlage 2013.
60 Euro pro Kopf im Jahr, 5 Euro pro Kopf pro Monat.

Eine andere Rechnung funktioniert auch: Über den Anteil der Privathaushalte am Gesamtenergieverbrauch Deutschlands. Der liegt laut Energieagentur NRW bei etwa 30 Prozent. Also würden aus netto 19,4 Milliarden Euro EEG-Umlage im Jahr 2013 richtigerweise rund 6,5 Milliarden. Geteilt durch 80,6 Millionen Bundesbürger ergibt das 80 Euro EEG-Umlage pro Kopf im Jahr 2013. Das würde die Musterfamilie mit 320 Euro belasten.

240 bis 320 Euro pro Jahr oder 20 bis 27 Euro im Monat – für die gesamte Musterfamilie.
Das sind natürlich keine Zahlen, die sich für Anti-Energiewende-Schlagzeilen eignen.
Das weiß auch die FAZ.
1000 Euro klingt einfach besser.

Vereinfachende Berichterstattung

Der Qualitätszeitung gelingt hier ein Beispiel für vereinfachende Berichterstattung, die die Energiewende insgesamt in Misskredit bringen soll. So geht es natürlich verführerisch einfach. Viel einfacher, als etwa die wahren Kosten der Verstromung von fossilen Energieträgern wie Braun- und Steinkohle oder gar die horrenden Folgekosten der Atomenergie in den Strompreis hinein zu rechnen. Dies würde den Preis für Strom aus umweltfeindlichen Energieträgern ehrlich abbilden.

Es hat natürlich Charme, wenn die FAZ die Energiewende gesamtgesellschaftlich sieht und die EEG-Umlage pro Kopf berechnet. Um ernst genommen zu werden, sollte das Blatt dann schleunigst die Folgekosten von Kohle und Atom jedem einzelnen Bürger in die (Strom-)Rechnung schreiben. Erst dann hieße es: FAZ, willkommen in der Wirklichkeit!