Wie die ABU das Klima in der Hellwegbörde vergiftet

Wind und TraktorChristoph Deimel würde sich eher als Tier- und Naturschützer begreifen denn als Gefahr für die Vogelwelt. Jedenfalls weiß der Landwirt aus dem Erwitter Ortsteil Ebbinghausen inzwischen mehr über die Rohrweihe als vor ein paar Jahren. Damals hatte er noch kein Auge für den Greifvogel, erst ein Windrad-Projekt sensibilisierte ihn für das Familienmitglied der Habichtartigen.

Mit durchweg lebensverlängerndem Effekt: Falls ein Bodenbrüter auf einem von Deimels Feldern nistet, dann erkennt der Landwirt das mittlerweile auf den ersten Blick. „Hätte ich das Windrad nicht gebaut, würde mir eine Rohrweihe nicht sofort auffallen“, sagt Christoph Deimel. Das wiederum bedeutet: Was man nicht kennt, kann man schwerlich schützen, Mähdrescher wären eine beständige Gefahr. „Heute weiß ich sofort, wenn eine Rohrweihe über einem Acker kreist. Dann lasse ich beim Mähen des Getreides 50 mal 50 Meter um das Nest der Rohrweihe stehen“ – und fertig ist der aktive Artenschutz.

ABU: Nur ein stillgelegtes Windrad ist ein gutes Windrad

Das müsste eigentlich auch den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) im Kreis Soest gefallen. Sie verstehen sich als Hüter der Vogelwelt, haben die Hellwegbörde zu Beginn des Jahrtausends als europäisches Vogelschutzgebiet durchgesetzt. Jede Hilfe im Artenschutz müsste da mit offenen Armen empfangen werden. Ein Windrad aber und dessen für die Rohrweihe sensibilisierten Betreiber will die ABU partout nicht als Plus an Lebensqualität für einen geschützten Greifvögel ansehen.

Das liegt an der tief verwurzelten Abneigung der ABU gegen Windräder in Vogelschutzgebieten. Die Organisation bläst seit jeher zum Sturm auf Windenergieanlagen in der Hellwegbörde, zu der auch Deimels Ort Ebbinghausen zählt. Ein Ausgleich zwischen den berechtigten Interessen erscheint unmöglich. Und somit gibt es auch keine Gnade für Deimels Vestas V52 mit ihren 65 Metern Nabenhöhe und dem Rotor mit 52 Metern Durchmesser. Die ABU hat im weiteren Umkreis des Anlagenstandorts eine Rohrweihe und sogleich Lebensgefahr für das Tier und seine Brut ausgemacht.

Der Nabu dient als Steigbügelhalter für den Feldzug der vermeintlichen Vogelschützer

Weil die ABU selbst nicht das Klagerecht von Naturschutzverbänden besitzt, schickt sie üblicherweise den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) für sich ins Rennen. Auch diesmal, gegen die für die Genehmigung zuständige Kreisverwaltung Soest. Mit Eilanträgen beim Verwaltungsgericht Arnsberg gelingt es dieser Allianz erstmals Mitte 2013, Keile zwischen die Rotorblätter von Christoph Deimels Rad zu stecken. Ergebnis: Von Anfang April bis Ende August 2013 darf die Vestas des Landwirts tagsüber keinen Wind ernten. Die Auflagen gelten im Jahr 2014 zunächst bis Ende Juli, ehe ein erneuter Eilantrag des Nabu eingereicht wird. Die Parteien vergleichen sich auf den täglichen Stillstand bis Mitte August.

Ein Urteil in der Hauptsache ist überdies noch nicht in Sicht. Erst eine mündliche Verhandlung zu Beginn des Jahres 2015 wird weisen, wie die Zukunft des Windrades aussieht.

Wie so häufig schlägt die ABU mit ihrer Blockadehaltung den großen Nutzen einer Windenergieanlage auch im Ebbinghausener Fall in den Wind. Christoph Deimels Projekt zielt nicht einmal auf einen – im Übrigen legitimen – wirtschaftlichen Gewinn ab. Seine Anlage komplettiert vielmehr das hofeigene Portfolio an regenerativer Energiegewinnung für den Eigenverbrauch.

„Überall in Europa klappt Windenergie in Vogelschutzgebieten – nur in der Hellwegbörde nicht“

Mix aus regenerativen Energien„Ich möchte unseren Hof unabhängig machen von den hohen Energiekosten“, sagt Deimel. Der landwirtschaftliche Betrieb ist inzwischen darauf ausgerichtet, Wärme und Strom aus eigener Produktion zu verbrauchen. So könnte Deimel auch mit Hilfe der einzelnen Windenergieanlage leicht auf zehntausende Liter Heizöl pro Jahr verzichten. Ein Gewinn vor allem für die Umwelt. Aber auch das Sparpotenzial für den Landwirt ist enorm, fallen allein für Sekundärenergie im Monat geschätzte 4000 Euro Kosten an.

Eine Investition wie Deimels – etwa 650 000 Euro hat er in die gebrauchte Vestas gesteckt – ist weder aus der Portokasse zu bezahlen noch eine Lizenz zur Gewinnmaximierung. Sie muss sich rechnen, solide kalkuliert sein und verlässlich abgesichert. Nach etwa acht Jahren hätte Deimel seine Vorleistung über den Einspareffekt beim Primärenergieeinsatz amortisiert. Daraus wird nun nichts, die „Stunde Null“ verzögert sich, die Rechnung geht erst viele Jahre später auf. „Und auf den unnötigen Einsatz von fossilen Brennstoffen kann ich auch nicht so früh wie möglich verzichten“, sagt Deimel. Noch etwas gibt er der ABU mit auf den Weg: Als Eigenversorger entlaste er die öffentlichen Netze, weil sein Windrad nicht ins öffentliche Hochspannungsnetz einspeise.

Deimels Windrad folgt anerkannten Abstandskriterien

Ganz davon abgesehen, brütet und fliegt die in Rede stehende Rohrweihe zwar im 1000-Meter-Radius um das Windrad, aber immer noch in ausreichendem Abstand. Nämlich etwa in 500 Metern Entfernung. Diese Distanz bewerten drei unabhängig voneinander bestellte Gutachter als ausreichend, um eine besondere Kollisionsgefahr des Greifvogels mit Deimels Windrad auszuschließen. Sie befinden sich damit auf einer Linie mit dem Land Brandenburg, das in seinen Tierökologischen Abstandskriterien für die Rohrweihe einen Abstand von einem halben Kilometer für völlig ausreichend hält.

ABU und NABU allerdings verweigerten sich laut Deimel auch praktikablen Kompromissen. Die starre Regelung, die Windmühle zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang abgeschaltet zu lassen, entspreche gar nicht den Fluggewohnheiten der Rohrweihe. So empfindet es der Landwirt als widersinnig, die Anlage bei Regen und Wind nicht anschalten zu können. Eine Annäherung blocke die ABU kategorisch mit dem Argument ab, es verbleibe ein Restrisiko.

Rohrweihe entwickelt sich prächtig – weil Deimel sorgsam mithilft

Christoph Deimel nimmt für sich in Anspruch, den Bestand an Rohrweihen in den vergangenen Jahren durch Vorsicht und Schutzmaßnahmen positiv mitentwickelt zu haben. Es gebe mehr Brutpaare in der Umgebung. Er ist fest davon überzeugt, dass seine Windmühle nicht tötet und dass dank seiner Sensibilität mehr Rohrweihen auf den Feldern gerettet werden konnten. Deimel: „Der Bestand nimmt insgesamt zu, das ist positiv. Das wird aber ignoriert, wenn nicht sogar gegen mein Windrad gewendet, das unter allen Umständen still zu stehen hat.“

Dass Vereinigungen wie die ABU seine Arbeit für Klima-, Umwelt- und Naturschutz torpediere, kann er sich nur damit erklären, dass sie einen Präzedenzfall für die Hellwegbörde schaffen möchte. Es soll ein gerichtliches Urteil her, dass eine größere Bedeutung hat als nur für Christoph Deimels einzelne Windmühle. Nämlich eins für Windenergie in Vogelschutzgebieten allgemein. Dazu hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Schulte-Drüggelte eine bemerkenswerte Aussage gegenüber örtlichen Medien getroffen: „Es ist verrückt, dass sich im Umkreis alle Windräder drehen dürfen, nur dieses nicht. Überall in Europa klappt Windenergie in Vogelschutzgebieten, bis auf die Hellwegbörde.“

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