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E-Autos: FDP entdeckt Steckdose als sauberste Energiequelle

Bei der FDP kommt der Strom aus der Steckdose. Dafür braucht es keine Windenergie.

Unendliche Energiequelle: Bei FDP-Minister Pinkwart kommt der saubere Strom für die Millionen Elektro-Mobile genial einfach aus der Steckdose. (Foto: Windkraft Satire)

Monatelang rätselte die Öko-Welt, wie die neue NRW-Regierung den Energiehunger der enorm auszubauenden E-Mobil-Flotte stillen wolle. Jetzt lüftete der visionäre Energieminister Andreas Pinkwart (FDP) auf einem Unternehmertag in Südwestfalen das Geheimnis. Die Elektro-Autos sollen ihren Strom zu 100 Prozent aus nachhaltigen Steckdosen beziehen.

Schon überschlagen die Medien sich in ihren Kommentaren: „Das ist der E-Hammer!“ Damit werde nicht nur das Ende der Verbrennungsmotoren besiegelt. „Auch erneuerbare Energien aus Wind und Sonne gehören durch die neu entdeckte Energiequelle der Vergangenheit an“, so Pinkwart. Nach nur wenigen Wochen Amtszeit ist sein Ministerium darauf gestoßen, dass Strom in fast allen Haushalten aus der Wand komme. „In vielen Fällen sprechen wir sogar von vier Wänden.“

Im Lichte dieser Entdeckung will er „die Entwicklung neuer Antriebstechnologien beherzt vorantreiben“ anstelle von „Subventionen für alte“[1]. Radikaler kann man das Ende von Benzin- und (pfui!) Dieselschleudern nicht in Worte fassen. Prompt sehen Deutschlands schlafmützige Autobauer ihre Ventildeckeldichtungen davon schwimmen.

Pinkwart speist erlesene Essenzen aus Braun- und Steinkohle in die Stromleitungen

Der FDP-Energiefuchs setzt listig hinzu: „Beim Elektroauto geht es nicht nur um die Frage des Brennstoffs“[2], aber auch. Und da wird Pinkwart revolutionär. Wer Steckdosen zu neuen Tankstellen und Autos abgasfrei macht, muss für die Stromerzeugung einen genialen Plan haben. Pinkwart hat ihn. Seine Landesregierung sorgt durch das Einspeisen von erlesenen Braunkohle-, Steinkohle- und Erdgasessenzen in die Stromleitungen für schadstofffreie Mobilität.

Dies folgt konsequent der unschlagbaren Logik des Koalitionsvertrags, der „fossile Strom- und Wärmeerzeugung auf Basis von Braunkohle, Steinkohle und Erdgas (…) auf absehbare Zeit“ als „unverzichtbar“[3] preist. Wie genau die feinsten bis feinstaubigen Rohstoffe zu flinken Elektronenströmen werden, bleibt vorerst Pinkwarts Geheimnis. „Die Konkurrenz aus China schläft nicht“, sagt er leise. „Aber wichtig ist doch allein, was hinten rauskommt“, sagt Pinkwart. „Bei unserem E-Mobilitätskonzept werden Autos noch nicht einmal mehr ein laues Lüftchen fahren lassen.“

Windenergie für „Koh-lektro“-Mobilität völlig überflüssig

Klar wird nun allerdings, warum die Grünen in NRW ins Oppositionsgras beißen müssen. Wer wie die FDP abgasfreie Autos ins Rollen bringen kann, ohne Windräder und Solaranlagen bauen zu müssen, hat den Stein der Weisen gefunden, vermutlich in den Paradiesgärten der NIMBYS[4]. Öko-Bewusste, politische Gegner und die Erneuerbaren-Branche zollen bereits Tribut. Ehrfürchtig ziehen sie ihre Vorbehalte gegen Pinkwarts Umweltpolitik zurück, auf mindestens 1500 Meter Abstand. Zufall? Wohl kaum. Genau diese Entfernung von neuen Windrädern zu Wohnbebauung hat die schwarz-gelbe Koalition in NRW gerade verfügt und der Windenergie mit weiteren Hürden den Garaus gemacht.[5] Wind ist für die neue Mobilität, die Pinkwart „Koh-lektro“ tauft, schlicht überflüssig geworden.

Wie einst Bundesumweltminister Klaus Töpfer todesmutig in den Rhein sprang, um die Wasserqualität zu preisen, wird auch Pinkwart sich einem persönlichen Ökotest unterziehen. Er will sich öffentlich hinter ein Kohl-E-Auto legen und kräftig ein- und ausatmen. Mehr Beweis für emissionsfreie Kohlestrom-Autos geht nicht! So viel Revolution beim Klimaschutz wird vielleicht schon bald mit einem Ministerposten in der schwarz-gelb-grünen Bundesregierung belohnt.

[1] NRW solle Zentrum für E-Mobilität werden, hatte Pinkwart auf einer Sommerreise zu jungen Unternehmen angekündigt. Darüber berichtete unter anderen der WDR online.

[2] Diesen Weitblick offenbarte Pinkwart beim Südwestfälischen Elektromobilitätstag in Warstein.

[3] Auf diese Energiestrategie von CDU und FDP in NRW reagiert auch die Website „100 % Erneuerbare Energien“, die einen offenen Brief an die Landesregierung formulierte.

[4] Unter NIMBYS wird die Gattung Mensch verstanden, die sich in blumigen Worten prinzipiell für die Energiewende ausspricht, aber immer einen Grund findet, warum zum Beispiel Windräder nicht in ihrer Nähe, „Not In My BackYard“ (NIMBY), gebaut werden dürfen.

[5] Der Koalitionsvertrag von CDU und FDP in NRW von 2017 listet auf Seite 39f. den umfassenden Kahlschlag bei der Windenergie auf.

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