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FDP-Kracher: Neuer Winderlass setzt auf Fahrtwind, Windbeutel und Windows-PCs

Fahrtwind soll nach der NRW-FDP für die Elektro-Mobilität nutzbar werden

Unendlich viel Energie soll aus Fahrtwind für die Elektromobilität gewonnen werden. FDP-Visionär Pinkwart will dafür Millionen in die Entwicklung von Windstoßfängern pumpen. (Bild: © Windkraft Satire)

Düsseldorf. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat die nordrhein-westfälische Landesregierung zum Jahreswechsel eine Energierakete gezündet. Der Kracher ist ein neuer Windenergieerlass des für Zukunft und Visionen zuständigen Energieministers Andreas Pinkwart (FDP). Er definiert Windkraft völlig neu und schießt Windräder dabei in den Wind.

Drei wesentliche Punkte des Erlasses waberten bereits jetzt durch den Feinstaub der Silvesterknaller. Dadurch verpassten die NRW-Liberalen es, den Coup erst nach ihrem Winterschlaf beim Dreikönigstreffen[1] Ende der Woche zu enthüllen. Demnach will Minister Pinkwart erstens Fahrtwinde aller Art nachhaltig nutzen. Zweitens soll das Bäckerhandwerk mit neuartigen Windbeuteln die Energie der Natur einfangen. Und drittens bleibt landesweit auf sämtlichen Computern mit Windows-Betriebssystemen automatisch die maximale Anzahl von Fenstern auf dem Bildschirm geöffnet. Warum, ist unklar. Insidern zufolge soll dies optimalen Durchzug der Windenergie gewährleisten und damit die Debatte um neue Stromleitungstrassen[2] ein- für allemal beenden.

Unendlich viel Energie für Windschattenfahrer auf Autobahnen

Während die letzten beiden Innovationen noch höchster Geheimhaltung unterliegen, zeigt Pinkwart sich auf Nachfrage von Windkraft Satire beim Thema erneuerbare Fahrtwinde weniger zugeknöpft. Kein Wunder, ist Elektromobilität doch das wichtigste liberale Thema seit der revolutionären Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers (wir berichteten hier). So soll gerade auf beliebten Hochgeschwindigkeitsstrecken wie Autobahnen und Tempo-30-Zonen entstehender Fahrtwind von Windschattenfahrern genutzt werden.

Dies sei eine große Chance auch für den Technologiestandort NRW. „Denn wir brauchen jetzt in großem Stil modernste Windstoßfänger für Autos und Lastwagen“, so Pinkwart. Dafür werde er mehrere Millionen Euro aus der EEG-Umlage als Projektgelder in die Automobilindustrie umleiten. „Das ist nicht weniger als der Durchbruch in der Sektorenkopplung“, sagt Pinkwart und sieht bereits die vollständige Nutzung erneuerbarer Energien nicht nur für Strom, sondern auch für Wärme und Verkehr voraus.

Backe, backe, Windbeutel: Ersatz für Windräder gefunden

Der Minister ist deswegen so voller Überschwang, weil er dringend einen energiepolitischen Befreiungsschlag benötigt. Pinkwart preist bisher bei jeder Gelegenheit die Elektro-Mobilität als das Zukunftsthema seiner Amtszeit.[3] Dummerweise übersieht er dabei regelmäßig, dass die Welt gar nicht sauberer wird, wenn der schmutzige Treibstoff Mineralöl durch dreckigen Kohlestrom ersetzt wird. Gleichzeitig ist ihm bisher verborgen geblieben, dass für saubere Elektromobilität erheblich mehr erneuerbare Energie erzeugt werden muss – und nicht erheblich weniger.

Allerdings steuert seine Regierung auf Letzteres zu, da sie die Windenergie an Land durch größere Abstandsregelungen und Verbote in Nutzwäldern massiv blockieren will.[4] In Wahrheit ist dies Teil einer viel weiter reichenden Strategie. Der Dreiklang aus Fahrtwind, Windbeuteln und Windows-PCs erschaffe „eine erneuerbare Energiewelt gänzlich ohne Windräder, weil wir allein mit dem Fahrtwind kinderleicht Energiequellen für die Mobilität verfügbar machen“, sagt Pinkwart.

Wie einst Houdini: Entfesselungsminister befreit ganz neuartige Winde

Schon sieht er sich auf einer Stufe mit dem großen Houdini, dem in den USA heimisch gewordenen Entfesselungskünstler. Auch Pinkwart glaubt, in die Geschichte einzugehen. Als Entfesselungsminister, der Winde entfesselt habe, von deren energetischer Bedeutung die Menschheit lange nichts ahnte. Und während er so träumt, entfährt ihm leise etwas in Houdinis Sprache: „Have a good renewable fart wind.“

[1] Den Heiligen Lindner und dessen Energiepionierprofessoren Pinkwart verehrt die FDP anno 2018 mit diesem Programm.
[2] Pinkwart ist Anhänger langer Leitungen. Windenergie solle nur dort produziert werden, wo sie Mensch und Umwelt am wenigsten beeinträchtige. Für Pinkwart sind Offshore-Windparks (im Meer) daher ideal, äußerte er zuletzt wieder in einem Rundfunk-Diskussionsabend zur Windkraft. Dass dies im Vergleich zur dezentralen Windenergie an Land u.a. höhere Kosten und Ärger wegen neuer Stromtrassen provoziert, kommt in Pinkwarts Milchmädchenrechnungen nicht vor.
[3] Pinkwart träumt von NRW als Zentrum für E-Mobilität, berichtet auch der WDR online.
[4] Der Koalitionsvertrag von CDU und FDP in NRW von 2017 listet auf Seite 39f. den umfassenden Kahlschlag bei der Windenergie auf.

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