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Jamaika perfekt: Klimazoff in CO₂-Fraktion ausgelagert

Durchbruch für Jamaika in Berlin: Der Streit um den Klimaschutz ist ausgeräumt, weil die Sondierungskoalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen die Energiefragen heute kurzerhand in eine eigenständige Bundestagsfraktion ausgegliedert hat. Kanzlerin Angela Merkel strahlt: Sie muss nicht vorzeitig abgeschaltet werden.

Jamaika macht’s möglich: Hochpotenzierte Windenergie auf engstem Raum, hier ein Prototyp mit mehreren Turbinen und Rotoren aus dem NRW-Energieministerium von Andreas Pinkwart. (Foto: Windkraft Satire)

Die neue CO₂-Fraktion darf nach Herzenslust verlangen, die Elektromobilität massiv zu fördern und gleichzeitig den Ausbau der umweltfreundlichen Windenergie zu stoppen.[1] Auch darf fröhlich an den Klimaschutzzielen der Bundesregierung festgehalten werden,[2] während gleichzeitig die dreckige Verstromung der Braunkohle endlos fortgesetzt wird. Als Obergrenze für die Kohleförderung hat CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, Schutzpatron der neuen Energiefraktion, das Jahr 200.000 festgesetzt.

Heimat schwach strahlenden Wortmülls

Die CO₂-Fraktion wird aus jenen Abgeordneten der Koalition bestehen, die sich zuvor wild über Umwelt- und Klimafragen zerstritten haben. Also mindestens aus Cem Özdemir, Christian Lindner und Alexander Dobrindt. Hier ist alles erlaubt: innovative Ideen und widersprüchliche Aussagen zur Energiewende, Ignoranz gegenüber Klimaschutzzielen sowie weiterer schwach strahlender Wortmüll.

An Einfällen mangelt es nicht, wie ein erster Gesetzentwurf des liberalen CO₂-Abgeordneten R. Eißwolf zeigt. Eißwolf will Windräder vorschreiben, die an einem einzigen Turm mindestens acht Turbinen samt Rotorblättern aufweisen. „Damit erzeugt ein Windrad den Strom eines ganzen Windparks“, sagt R. Eißwolf.

Klimaschutzwesten gegen Umweltgifte – Zwei Windräder pro Jahr reichen

Erste Bestellungen sind bereits von NRW-Energiefachwirt Pinkwart eingegangen, also genau zwei. Denn seine Landesregierung hat die Flächen für Windenergie so stark zusammengestrichen, dass in NRW pro Jahr noch Platz für exakt zwei Mühlen bleibt.[3] „Versteht ihr jetzt endlich, was ich mit Entfesselung der Windenergie[4] meine“, ruft Pinkwart triumphierend in die Runde.

Und dann präsentiert Pinkwart demonstrativ die Einheitskleidung der neuen Berliner CO₂-Fraktion: eine von der FDP entwickelte Klimaschutzweste. Sie könnte zum nächsten deutschen Exportschlager werden, da ihre Beschichtung Umweltgifte abweise. „Island zum Beispiel benötigt unsere Hilfe, solange die rauchenden Vulkane und Geysire sich dort einen Dreck um die Pariser Klimaschutzziele scheren.“ Auch in Jamaika bestehe Handlungsbedarf, „weil der Qualm Tausender Joints die erlaubten Abgasgrenzwerte übersteigt“, sagt Alexander Dobrindt.

Er will zudem als erster Passivminister Deutschlands durch Nichtstun maximale Energie freisetzen – ein Amt, für das er sich durch den Misserfolg seiner Pkw-Maut auf Autobahnen mehr als qualifiziert hat. Wie gesagt, der CO₂-Fraktion mangelt es nicht an innovativen Ideen …

[1] Windkraft Satire hat zu dem irren Widerspruch in der NRW-Regierung bereits hier berichtet.
[2] Der CDU-Unterhändler bei den Jamaika-Verhandlungen, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, erklärt seine Nibelungentreue zu Braun- und Steinkohle hier dem WDR.
[3] Tatsächlich hat NRW – nach einer Nullrunde – in den Ausschreibungen für 2019 die Genehmigung für genau zwei Windräder erhalten, wie der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) in seinem Oktober-Newsletter mitteilt.
[4] Nein, das versteht auch der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) in Nordrhein-Westfalen nicht, wie seiner Pressemitteilung von Ende Oktober 2017 zu entnehmen ist. Die Westdeutsche Zeitung widmet sich Pinkwarts Berliner Umweltausflügen in diesem Beitrag.

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