WDR: Westpol geht Weißstorch-„Freunden“ auf den Leim

Die Weißstörche werden in Preußisch Oldendorf (Stemwede) von selbst ernannten Artenschützern angelockt, um längst laufende Windenergiepläne zu torpedieren. Die ganze Geschichte dieses Missbrauchs steht hier auf windkraftsatire.de. Das ist ein falsches Spiel und bringt das ehrenamtliche Engagement der vermeintlichen Vogelschützer vor Ort in Verruf. Denn es geht um Blockade, nicht um den Ausgleich zwischen Klima- und Artenschutz.

Den WDR und ein Team der Sendung Westpol interessieren solche Details allerdings nicht. Martina Koch lässt in ihrem Beitrag vom 5. Oktober 2014 den Senioren viel Raum für ihre Argumentation und ihre Sorgen um die Störche. Warum vor Ort zusätzliche Nisthilfen errichtet worden sind, als die Windplanungen weit voran getrieben worden waren, diese bedeutende Frage ist von der Journalistin nicht zu hören. Sie redet stattdessen von Windrädern „mitten im Brutgebiet der Störche“, von angeblich unterschrittenen Abstandsregelungen.

Der Beitrag nistet im Zahlensalat

Entweder ist das alles unvollständig recherchiert, dann wäre Koch allein schlechtes Handwerk vorzuwerfen. Oder der Beitrag wollte nur mit halben Wahrheiten arbeiten. Schon die Anmoderation des Beitrags erinnert an die Horrorszenarien der Windenergie-Verhinderer. 2000 tote Vögel seien an Windrädern gefunden worden, heißt es da. Das klingt erschreckend. Das Wort „republikweit“, also in ganz Deutschland, und der Zeitraum, „in zwölf Jahren“, gehen fast unter. Dagegen wird die Befürchtung nachgelegt, dass die „Dunkelziffer“ viel höher liege.

2000 dokumentierte Funde in Deutschland in zwölf Jahren. Wenn wir einmal dabei bleiben wollen, verehrte Westpol-Mannschaft. Was bleibt dann eigentlich als Grundlage für den Bericht, der die Weißstorch-„Beschützer“ so sehr in den Mittelpunkt rückt? Dann bleiben, genau: im Durchschnitt 166 tote Vögel pro Jahr. Geteilt durch 16 Bundesländer ergibt das statistisch zehn verendete Vögel pro Jahr pro Bundesland.

Für Nordrhein-Westfalen blieben also zehn getötete Tiere pro Jahr an inzwischen 3017 Windrädern im Land. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Windrad zu sterben, ist also überschaubar. Rein rechnerisch wäre dies jährlich ein Vorfall an jeder 300. Anlage.

Ist das unvertretbar viel – angesichts von insgesamt gut 24.000 installierten Windrädern in Deutschland, so die Statistik für das erste Halbjahr 2014?

Hier sprechen Windkraftgegner, keine Vogelschützer

Nein, Westpol, es bleibt nicht viel. Außer der sagenumwobenen Dunkelziffer, der Angst um „vom Aussterben bedrohte Arten“, außer „Vogelschützern“, denen die Journalistin Ungereimtheiten in ihrem Tun eben nicht vorhält. Die Einblendungen während der Interviews sprechen doch eigentlich für sich: Wer dort das Wort ergreift, wird nicht in seiner Funktion als Vogelschützer bezeichnet, sondern als Mitglied der „Bürgerinitiative Contra Windkraft“. Was ist also deren eigentlicher Beweggrund: Pro Weißstorch oder contra Windkraft?

Der Westpol-Bericht ist durch schwaches Zahlenmaterial schlecht hergeleitet, nicht zu Ende recherchiert und am Ende tendenziös. Klaus Schulze-Langenhorst (Bundesverband Windenergie) darf für die Windenergie-Seite lediglich von der zu erwartenden Gewöhnung sprechen, die sich auch bei Vögeln gegenüber Windrädern einstelle. Martina Kochs Beitrag kontert sofort mit der Gegenrede der „Vogelschützer“ und deren Verweis auf die Gefährdung der Weißstörche.

Tendenziös ist auch die Abmoderation des Beitrags. Sie möchte weitere Befürchtungen auslösen, es stehe schließlich ein weiterer Ausbau der Windkraft in NRW an. Erst 4 Prozent betrage der Anteil der Windenergie an der Stromproduktion, „stolze“ 15 Prozent sollen laut Ausbauziel der Landesregierung bis 2020 daraus werden. Das schreit nach Widerspruch – und wir haben schon Westpol und den Chor der Weißstorch-Freunde im Ohr.

Widerspruch

Wir, werte Westpol-Redaktion, widersprechen indes solchen Beiträgen und bitten um genauere Recherche. Dass lokale Tageszeitungen ihren zahlenden Abonnenten nach dem Mund schreiben, erleben wir schon zu oft. Der WDR als gebührenfinanzierte Anstalt darf mit seinen Gesprächspartnern durchaus „hart, aber herzlich“ umgehen – aber, bitte, auf allen Seiten.

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