Weltraumforscher warnen: Raketen und Riesenräder sind Todesfallen für Insekten

Kommt die Rettung für Mücken, Fliegen und Bienen aus dem All? Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) jedenfalls hat galaktische Ideen, um das Insektensterben zu stoppen. Raketen und Jumbojets sollen nur noch abheben, wenn dabei keine Kleinstlebewesen mehr zu Tode kommen. Auch Riesenräder auf Volksfesten müssen künftig ihre Ungefährlichkeit für Grashüpfer und Grillen nachweisen.

Beim Jupiter, Todesfalle Riesenrad? Forscher vom Luft- und Raumfahrtzentrum wollen Insekten vor den Rädern schützen. Vor Raketen auch. Vor Flugzeugen, Autos, manchmal auch vor Windrädern… (Foto: © Windkraft Satire)

Das von Bund und Ländern getragene DLR, eine Schwesterorganisation des Atomforschungszentrums Jülich, will mit der Offensive vor allem sein schlechtes Gewissen beruhigen. Denn beim Start von Raketen, die zum Beispiel den deutschen Astronauten Alexander Gerst zur internationalen Raumstation ISS befördern, verbrennen Trilliarden von Kleinstlebewesen im Feuer der Triebwerke. Hinzu kommen Fantastilliarden von Fluginsekten, die Tag für Tag mit Flugzeugen an und über deutschen Airports kollidieren.

Jeder Aufprall schmerzt die All-Wissenden des DLR so sehr, dass sie zuletzt im Forschungsbereich Energie hektisch nach anderen Sündenböcken für das Insektensterben suchten, um von sich abzulenken. „Und da kamen wir beim DLR anfangs ausgerechnet auf Windräder“, sagt der Insektenbeauftragte Dr. Martin Meckfley kopfschüttelnd und schlägt sich mit der Hand vor die Stirn. Ein kleines „Au“ entfährt ihm, dann zupft er sich die Reste einer Wespe aus den Augenbrauen.

Verwirrte Forscher hielten Windräder für böse, obwohl 95% der Insekten unbehelligt vorbeifliegen

„Die Zahlen waren schon astronomisch hoch“, fährt er fort, „und Astronomie macht uns Kosmos-Kenner sofort wuschig, haha.“ Insgesamt gut fünf Milliarden Kleinstflugtierchen sollen in ganz Deutschland pro Jahr laut DLR-Modellanalyse nicht unbeschadet an Windmühlen vorbeikommen.[1] „Das klingt aber nur so lange galaktisch“, sagt Meckfley. „bis man nach der täglichen Autofahrt ins Büro über Motorhaube und Windschutzscheibe wischt.“ Hunderte von Insekten kleben da leblos. Auf jedem einzelnen Wagen (Windkraft Satire berichtete hier). Tag für Tag. Das ist selbst für Galaktiker ein unvorstellbarer Verlust an Biomasse, bei aktuell 57,3 Millionen in Deutschland angemeldeten Kraftfahrzeugen[2], die ohne Rücksicht auf Verluste durch die Insektenwelt pflügen.

„Da haben wir im ersten Zahlenrausch wohl mit Raketen auf Spatzen, äh, geschossen“, sagt Meckfley entschuldigend in Richtung der vermeintlich bösen Windräder. Enorm peinlich sei den Luftikussen und Raumfahrtologen gewesen, zugeben zu müssen, dass „95% der gefährdeten, durch einen Rotor fliegenden Insekten unbeschadet bleiben“.[3] Das sind nach DLR-Rechenart vermutlich schlappe Zigtrilliardentrillionenbillionen unbehelligter Insekten.

Analyse ohne Aussagekraft – Dann geht es eben Raketenabschussrampen an den Kragen

Ob die Analyse angesichts dessen überhaupt irgendeine Aussagekraft besitzt, könne das DLR auch nicht so recht einschätzen, sagt Meckfley kleinlaut, „weil die Größe der Gesamtpopulation unbekannt ist“[4]. Lange verborgen blieb dem DLR offenbar auch der Stand der Forschung, wonach der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft die Hauptursache für das Besorgnis erregende Insektensterben ist.[5] „Ach, echt“, sagt Meckfley ungläubig, „dann verbieten wir am besten sofort mal Pestizide in der Raumstation ISS und auf dem Mond!“

Solcherlei Unsinn zieht für gewöhnlich schnell den Spott der Wissenschaft auf sich. Um dem zu entgehen, kündigte der DLR eilig an, vor der eigenen Tür kehren zu wollen. Luft- und Raumfahrt sollen insektenfreundlicher werden. Zwar finden in Deutschland – abgesehen von Silvester – kaum Raketentests statt. Falls die geopolitische Lage diese nötig mache, so DLR-Sprecherin Kim Jongun-Geziefer, seien aber auch hierzulande in Abstimmung mit dem Verteidigungsministerium Schutzmaßnahmen für Insekten einzuleiten. An Raketenabschussrampen etwa solle die Installation von automatischen Schwarmerkennungssystemen[6] in Verbindung mit einer entsprechenden Steuerung der Triebwerke Standard werden. „Wegen einer Fliege würden wir natürlich nicht den Countdown für eine Mars-Mission stoppen“, sagt Jongun-Geziefer, „aber bei zweien kämen wir schon ins Grübeln.“

Irre: Kosmos-Kenner sehen in Kirmes-Riesenrädern die Kombination aus Windmühle und Auto

Weil Raumfahrttechnik immer auch Nutzen für den Alltag haben soll, wird das Insekten-Schwarmerkennungssystem in Kürze auch an Kirmes-Riesenrädern eingeführt. Riesenräder seien dank Drehbewegung und Fahrgastkabinen quasi die Kombination aus Windrädern und Autos, sagt der Insektenbeauftragte Dr. Martin Meckfley vom DLR. „Hier müssen wir ansetzen, weil auf jeder Kirmes vermutlich nur 94 Prozent der durchfliegenden Insekten unbeschadet bleiben.“

[1] Veröffentlicht sind die Ergebnisse des DLR-Instituts für Technische Thermodynamik, Abteilung Energiesystemanalyse, in Energiewirtschaftliche Tagesfragen. Dabei ist schon die Grundannahme falsch, „Windparks und Insekten würden sich nicht in die Quere kommen“ (ebd.). Das zu behaupten ist Unsinn und so zutreffend wie die Aussage, Insekten würden nicht gegen Autos oder Züge fliegen.

[2] Stand laut Kraftfahrtbundesamt am 1. Januar 2019.

[3] Siehe Seite 55 der DLR-Modellanalyse.

[4] Siehe Seite 54 der DLR-Modellanalyse.

[5] „Pflanzenschutzmittel zerstören die sogenannte Ackerbegleitflora – diese ist aber die Nahrungsgrundlage vieler Arten wie Insekten und Vögeln“, heißt es zum Beispiel auf der Seite des Bundesumweltministeriums.

[6] Diesen Unsinn schlägt das DLR tatsächlich für Windräder vor, siehe Seite 55 der DLR-Modellanalyse.